2010 in Limericks
Das Vorwort
Ein Jahresrückblick in Limericks – was soll der Quatsch? Die Ereignisse eines Jahres zusammenzufassen, kann eine umfangreiche Angelegenheit sein. Nicht nur ein Buch, eine ganze Bibliothek ließe sich damit füllen. Wenn Rückblick aber auch Überblick sein soll, bedeutet das Selektion, Beschränkung auf Stichpunkte. Die Versform zwingt darüber hinaus zur Kürze. Und die könnte vielleicht hilfreich sein, sich nicht nur beim Lesen, sondern für längere Zeit an die erwähnten Vorkommnisse zu erinnern. Versform und Kürze können zusammen wie Eselsbrücken wirken. Das ist zumindest die Idee, die diesem Büchlein zugrunde liegt.
Die Stichpunkte habe ich naturgemäß individuell ausgewählt. Zunächst ist die persönlich gefühlte Wichtigkeit der Ereignisse ausschlaggebend; wobei einige ganz wichtige Daten eher nicht im Vordergrund stehen. Und dann kommt es darauf an, mir einen Reim darauf zu machen – was nicht immer gelingt, zumal die Limerick-Form bestimmte Anforderungen stellt.
Ein Limerick sollte zumindest einen Hauch lustig sein. Aber wie lustig ist etwa der „kriegsähnliche“ Konflikt in Afghanistan? Wo Witz nicht angebracht ist, schleicht sich vielleicht eine Prise Sarkasmus ein. In keinem Fall habe ich versucht, „objektiv“ zu protokollieren, vielmehr sind die Verse wie kommentierende Randnotizen zu verstehen. Ereignisse in jeweils fünf Zeilen „auf den Punkt“ zu bringen, verlangt Antwort auf die Frage: auf welchen Punkt? Und da geht es eben um eine ganz persönliche Sicht.
Fünf Zeilen dürften im Übrigen nicht immer ausreichen, um zu verdeutlichen, welche Begebenheit gemeint ist und um die Erinnerung daran aufzufrischen. Deshalb ist jeder Limerick durch eine Erläuterung ergänzt. Die steht allerdings auf dem Kopf - wie die Lösung eines Rätsels. Das mag Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, ein Anreiz sein, zunächst selbst zu überlegen: Wie war das doch nochmal ... ?
Sowohl Verse als auch Erläuterungen wurden unter dem unmittelbaren Eindruck der Ereignisse geschrieben. Später habe ich nichts daran geändert, auch wenn sich inzwischen neue Aspekte ergeben haben und die weitere Entwicklung Ergänzungen oder Korrekturen nahegelegt hätte.
Ein Beispiel:
Was machen wir bloß mit der Asse?
Dort lagert Atommüll die Masse.
Es drohen Gefahren
auch noch in zehn Jahren.
Das schwör’ ich beim rostigen Fasse.
126.000 Fässer mit radioaktivem Müll lagern im ehemaligen Salzbergwerk Asse bei Wolfenbüttel in Niedersachsen. Der gefährliche Abfall ist dort keineswegs für alle Zeiten sicher abgeschottet, denn die Lagerstätte ist marode. Seit Jahren tritt Wasser ein, sodass Salzlauge an den teilweise über 40 Jahre alten Fässern nagt. Der Zustand kann so nicht bleiben. Die Asse soll saniert werden, aber wie? Zunächst gab es den Plan, die Lagerkammern zu fluten. Der löste aber heftige Proteste in der Region aus. Eine weitere Option ist die Verfüllung mit Spezialbeton. Die Tendenz der Fachleute geht nun dahin, alle Fässer wieder herauszuholen und im Endlager Schacht Konrad unterzubringen. Ob das möglich ist, steht noch nicht fest. Sollte dieser Weg aufgrund der jetzt anstehenden Untersuchungen gegangen werden, muss mit einer 10 Jahre dauernden Sanierung gerechnet werden. Wem würde da nicht Goethes Zauberlehrling einfallen: „Die Geister, die ich rief, die werd’ ich nicht mehr los“.